Kitzrettung mit Hilfe von Drohnen

Mitglieder der Landesgruppe Baden-Württemberg Nord (LG BW-Nord) des Vereins für Deutsche Wachtelhunde e.V. im Einsatz für den Tierschutz

Wachtelhunde – Tierschutz zu Lande, zu Wasser und – aus der Luft!

Dank dem Einsatz einer Hightech-Drohne konnten in den letzten Wochen über 100 Kitze vor dem qualvollen Mähtod bewahrt werden.

KitzBiogasanlagen, die Industrialisierung der Landwirtschaft und im Zuge ihrer Entwicklung immer schnellere und größere Mähwerke, mit denen immer größere Feldschläge abgeerntet werden, haben in den letzten Jahren zu besonders zahlreichen und qualvollen Verlusten beim Jungwild geführt. Ungezählt sind die Opfer im Bereich der „Bodenbrüter“. Abertausende Hasen, Rebhühner, Rehkitze, aber auch seltene Bodenbrüter werden nach Schätzungen von Experten Jahr für Jahr vermäht.

Seit vielen Jahren unterstützen Jäger traditionell Landwirte, um zu verhindern, dass Kitze im Zuge des ersten Wiesenschnittes vermäht werden. Dabei versuchen Jäger, die in den Wiesen gesetzten Kitze vor dem Mahdtermin zu finden und in Sicherheit zu bringen. Eine Aufgabe, die rein rechtlich, ausnahmslos im Verantwortungsbereich des Landwirtes liegt.

Von Jägern gefundene Kitze werden in gut belüfteten Kartons oder Kisten auf ein Graslager gelegt und nachdem die Wiese gemäht ist wieder freigelassen. Meist werden die Kitze bei dieser Gelegenheit mit einer Ohrmarke versehen, um so weitere Erkenntnisse für die Wildtierforschung zu gewinnen. Die Geißen nehmen die mit Handschuhen und Gras aufgenommenen Kitze später problemlos wieder an.

Konventionelle Methoden nur begrenzt erfolgreich

Leider sind konventionelle Methoden, wie das Ablaufen der Wiesen, das Absuchen der Flächen mit einem geeigneten Hund oder auch Vergrämungsmaßnahmen, meist das Aufstellen von Scheuchen am Vorabend der Mahd, nur begrenzt erfolgreich. Tausende Kitze werden dabei auf den teils riesigen Feldschlägen übersehen und fallen dem Mähtod zum Opfer. Kleinere Bodenbrüter zu finden ist nahezu unmöglich.

Inzwischen gibt es mit dem Einsatz von Drohnen die Möglichkeit zumindest die Suche nach Kitzen effizienter und zuverlässiger durchzuführen. Konkret sind das „Multicopter“, oft auch Drohnen genannt, die mit einer Wärmebildkamera und einem Bildübertragungssystem ausgestattet sind. Über die Wärmebildkamera können in den frühen Morgenstunden, bevor die Sonneneinstrahlung zu intensiv wird und den Boden erwärmt, die Kitze deutlich und zuverlässig erkannt werden. Je nach Qualität der Wärmebildkamera können jeweils Streifen von bis zu ca. 60 m Breite zügig abgesucht werden. An einem Morgen bis zu ca. 30-40 ha. Der Systempreis pro Drohne beträgt inklusive Zusatzakkus und Zubehör rund 12.000 Euro. Ein stolzer Preis.

VDW engagiert sich

Maehen Kitz in Händen Die Landesgruppe Baden-Württemberg Nord des Vereins für Deutsche Wachtelhunde e.V. wurde bereits im Jahr 2016 auf die Möglichkeit der Drohnentechnik aufmerksam. Wer sich als Jäger mit gutem Hund der waidgerechten, also tierschutzkonformen, Jagd verschrieben hat, für den ist Tierschutz mehr als ein Lippenbekenntnis. Kein Wunder also, dass sich die Mitglieder sehr schnell einstimmig bereit erklärten zu investieren, um den Wildtieren zu helfen und sich so auch bei all‘ den Revierpächtern zu revanchieren, die Jahr für Jahr dem Verein Ihre Reviere für Prüfung und Ausbildung der Hunde zur Verfügung stellen. Viele Jagdpächter fördern seit langen Jahren unsere Vereinsarbeit und sind selbst keine Wachtelhundführer. Meist sind unsere Möglichkeiten uns dankbar zu zeigen sehr begrenzt, mit dieser Aktion konnten wir uns einerseits unserer Dankbarkeit zum Ausdruck verhelfen, andererseits hoffen wir einen Stein ins Rollen gebracht zu haben, dass sich auch andere Organisationen zukünftig in diesem Bereich engagieren. So hat sich zum Beispiel eine landwirtschaftliche Genossenschaft schon entschlossen, diesen Service nächstes Jahr für ihre Mitglieder anzubieten.

Kitz-3 Kitz-2Doch was zunächst zwar als teuer aber grundsätzlich machbar klingt, hat, wie so oft, weitere Tücken, wenn es konkret wird und Arbeit anfällt –  viel Arbeit, sehr viel Arbeit. Dennoch – was wären Hundeführer, die nicht ebenso passioniert wären wie Ihre Hunde?  Mehrere Mitglieder der Landesgruppe (Christian Auch-Schwarz, Gaby Bertsch, Mathias Finckh, Dieter Hampl, Simon Moser, Wilfried Schlecht, Karl Walch und Rupprecht Walch) erklärten sich spontan bereit, sich auf eigene Kosten als „Piloten“ schulen zu lassen und für die Einsätze in zwei Flugteams ehrenamtlich zur Verfügung zu stehen. Dabei wird den „Piloten“ sehr viel abverlangt. In der kritischen Zeit heißt es über mehrere Wochen mit nahezu täglichen Einsätzen von 3-5 Stunden ab Sonnenaufgang in den Revieren präsent zu sein. „Ready to take off“ kurz nach vier Uhr morgens! Nur mit einem Team, das außerge­wöhnliche Einsatzbereitschaft zeigt, ist ein solches Projekt überhaupt durchführbar!

Hampl-Walch bei der Suche Hampl bei der Einweisung des KitzrettersGroßartiger Erfolg bereits in der ersten Saison

Inzwischen konnten bereits weit über 100 Kitze gefunden und gerettet werden. Piloten, Landwirte, Jäger und die interessierte Öffentlichkeit waren und sind begeistert. Die Resonanz in den Medien war überwältigend, in `zig Zeitungen und in Funk und Fernsehen wurde über die Aktion berichtet. Eine kaum dagewesene Welle positiver Berichterstattung über den Verein für Deutsche Wachtelhunde e.V. und die Jägerschaft allgemein! Der Dank gilt allen Mitgliedern der Landesgruppe für den Entschluss, diese Aktion zu starten und natürlich besonders den engagierten Piloten! Außergewöhnliches Engagement zeigten dabei die Vereinsmitglieder Revierjagdmeister Rupprecht Walch und sein Teamkollege Dieter Hampl im Bereich des Nördlinger Rieses. Vielen Dank an die Beiden und natürlich auch an den Rest des Pilotenteams!

Ohne Moos nix los!

Das gesamte Projekt läuft unentgeltlich und ehrenamtlich! Auch wenn die Anfangs­investitionen schon getätigt sind, fallen laufende weitere Kosten an, von der Versicherung über die Wartung und Reparatur der Systeme, bis zu erforderlicher Zusatzausstattung um die Effizienz weiter zu steigern. Um die Finanzierung dieser zukünftigen Kosten sicherzu­stellen und auch Ansparungen für weitere sinnvolle Projekte in der Zukunft zu ermöglichen, wurde der gemeinnützige „Verein zur Förderung der Landesgruppe BW-Nord des Vereins für Deutsche Wachtelhunde e.V.“ gegründet, der sich über jede Spende freut.

Monitor mit Wärmebild Drohne_ueber_Kitz(Kontakt: info@dw-bw-nord.de, IBAN: DE97 6206 3263 0204 6650 00, Spendenquittungen werden gerne ausgestellt)

Ansprechpartner:

Verein für Deutsche Wachtelhunde e.V.

Landesgruppe Baden-Württemberg Nord

Landesgruppenvorsitzender:  Wilfried O. Schlecht

Pestalozzistr. 8

74348 Lauffen

Telefon: 07133/2007982

Fax:  07133/2007983

E- Mail: info@dw-bw-nord.de


5 commenti su “Kitzrettung mit Hilfe von Drohnen
  1. Katrin Haas sagt:

    Wir betreiben selbst Landwirtschaft. Ist es möglich, dass die Leute die das machen auch auf einen Betrieb kommen? Gegen Bezahlung natürlich. Wir liegen im Südwesten Baden-Württembergs

    • Sehr geehrte Frau Haas,
      grundsätzlich bieten wir den Service kostenlos an, freuen uns aber immer über eine Spende.
      Bitte nehmen Sie direkt mit mir Kontakt auf (info@dw-bw-nord.de). Dann klären wir, ob es noch in unserer Reichweite liegt und ob es terminlich machbar ist. Ich bitte um Verständnis, dass Flächen in den Prüfungsrevieren und in den Revieren unserer Mitglieder Vorrang haben, aber sofern es von der Anfahrt machbar ist und Termine frei sind, stehen wir gerne zur Verfügung.
      Beste Grüße
      Wilfried Schlecht

  2. Alexander Busch sagt:

    Sehr geehrte Frau Haas,

    das weiss ich leider nicht. Bitte direkt an die LG BW-Nord wenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Busch

  3. Gerhard Beuther sagt:

    Eine tolle Idee. So kann sich die Landesgruppe Nord des Vereins für Deutsche Wachtelhunde für alle Wachtelhundführer bei sehr großzügigen Revierpächtern, die Ihrer Reviere für Hundeprüfungen zur Verfügung stellen, bedanken und gleichzeitig einen beispielhaften Beitrag zum Tierschutz leisten. Ich beteilige mich an den Kosten mit einer Spende

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