Deutscher Wachtelhundverein Nordamerika (DWNA)

Erste JP in Satanta (Kansas, USA)
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„Macht weiter so, Ihr seid auf dem richtigen Weg!“

Bildliche Impressionen der 1. JP in Nordamerika

Jürgen Briechle
Jürgen Briechle
Jürgen Briechle, der LG-Vorsitzende Baden Württemberg-Süd und Verantwortliche des VDW für die Kontakte zum DWNA, war als Prüfungsleiter bei der ersten JP in den USA dabei.

Der Verein DWNA wurde 2006 ins Leben gerufen und seit dieser Zeit vom 1. Vorsitzenden Chairman Dave Pepe und seinem Stellvertreter Vice Chairman Jim Cowgill erfolgreich geleitet. Bereits 2009 war eine JP geplant, die aber aus unterschiedlichen Umständen nicht zustande kam. Heute hat der Verein ca. 77 Mitglieder, über ganz Nordamerika und das Nachbarland Kanada verteilt, mit über 90 Deutschen Wachtelhunden. Das Einsatzgebiet der Hunde ist entsprechend groß und reicht von der Wasserarbeit über Stöbern, Buschieren, Apportieren, Schweißarbeit bis hin zum Stellen von Bären.

Da der DWNA selbst noch keine Verbandsrichter hat, wurde es zu meiner Aufgabe, den Verein und diese erste Prüfung in den USA zu betreuen. Drei Monate vor Prüfungsbeginn wurde mittels Mail und Telefon alles organisiert und vorbereitet. Zwei Wochen vor der Prüfung wurde dann die Nennliste in der Prüfungsplattform im Internet frei geschaltet, von da an wurde ich als Prüfungsleiter mit Fragen zu jeder Tages- und Nachtzeit überhäuft. Demzufolge muss das Interesse der in den USA beheimateten DW-Führern und Züchtern riesengroß sein.

Alles war gut vorbereitet, und so startete ich am 27.04.2011 von Stuttgart über Amsterdam nach Chicago. Am Flughafen wurde ich von Dave, zwei weiteren Wachtelführern und drei Hunden, mit dem Hinweis: „ Wir haben noch ein Stück zu fahren!“, freudig begrüßt und empfangen.
Dieses Stück entpuppte sich dann als 1100 Meilen (ca.1760km), was eine Übernachtung und 19 Std. Autofahrt zur Folge hatte. Am nächsten Tag, spätnachmittags hatten wir unser Ziel, in der südwestlichsten Ecke von Kansas, den kleinen Ort Satanta erreicht. Wir wurden auf einer Farm mit ca. 35.000 Hektar und 7000 Rindern, im Gästehaus bestens Verpflegt und untergebracht.

Im Laufe des Abends trafen dann alle Prüfungsteilnehmer, fast die komplette Vorstandschaft von DWNA und meine beiden amerikanischen Richterkollegen, die Herren Leonard Baker und Chuck Davis, beide aus dem DD-Lager, ein. Die weiteste Anreise hatte Herr John Gliva, Anchorage Alaska, er ist als Mitglied, Helfer und Zuschauer angereist. Da ich auf der ganzen Fahrt keinen Hasen gesehen hatte, fuhren wir abends noch durchs Revier, um uns vom sehr guten Hasenbesatz (Black-tailed Jackrabbit) zu überzeugen. Der erste Abend bei gegrillten Steaks, Bier und Wein war ideal, um die Leute näher kennen zu lernen. Bald war ich einer von ihnen, und musste feststellen, alle, sowohl Führer wie Verantwortliche, waren hoch motiviert und sehr engagiert, aber zum Teil ziemlich unbedarft, was Prüfungswesen, Prüfung und deren Ablauf betrifft.

Das Interesse mag daran gemessen werden, dass der durchschnittliche einfache Anreiseweg der Hundeführer bei 1040 Meilen (ca. 1700km) lag.
Am nächsten Morgen, nach kurzer Begrüßung, wurde mit der Kontrolle der Hunde und Papiere begonnen. Bei zwei nicht tätowierten Hunden konnte der implantierte Chip mit dem uns zur Verfügung stehenden Gerät nicht ausgelesen werden. Bedingt durch den langen Anfahrtsweg der beiden Führer (1100 Meilen) konnten diese nicht einfach nach Hause geschickt werden. Begleitet vom 2. Vorsitzenden DWNA, Herrn Jim Cowgill, war das Lesen der Chips erst in der dritten Tierarztpraxis (Uniklinik) möglich. Beide konnten mittags zu uns stoßen und an der Prüfung teilnehmen.

Prüfungsbedingungen
Der Hasenbesatz ( Black-tailed Jackrabbit) war sehr gut.
Gelände/Bewuchs für Hasenspur: abgeerntete, staubtrockene Maisfelder mit wenig Grün, alles eben.
Stöbergelände: alte Maisfelder und Buschgelände.
Wasser: künstlich angelegter Teich, ohne Deckung.
Große Teile des vorgesehenen Stöbergeländes sowie die Deckung um den Teich waren ca. 2 Wochen vor Prüfungsbeginn durch einen Buschbrand vernichtet worden.
Wetter: morgens 5°C, mittags bis zu 34°C, sehr stürmisch (auch Sandsturm), staubtrocken. Niederschlag in dieser Region im Jahr: 50-100 L/m².

Die Prüfungsbedingungen können als sehr schwierig bezeichnet werden. Erwähnenswert und nicht ungefährlich für Hund und Führer war das Vorhandensein und Zusammentreffen mit Klapperschlangen, wovon ich mich gleich am ersten Morgen überzeugen konnte. Durch die morgens recht kühlen Temperaturen sind die Schlangen klamm und können nicht flüchten. Durch ihr Rasseln warnen sie zwar, dies ist aber durch den starken Wind nicht zu hören.
DWNA JP Hasensuche
Nachdem den Teilnehmern vermittelt wurde, was bei dem Fach Hasenspur verlangt wird und wie dies ablaufen soll, wurde begonnen. In Streife ging es über die abgeernteten Maisfelder mit wenig Grün, begleitet von starkem Wind. Wir fanden ausreichend Hasen und sahen die unterschiedlichsten Leistungen.
Einige der sehr eifrigen, engagierten Führer waren zum Teil überfordert, sie wussten nicht, was bei der Prüfung auf sie zukommt. Da die Hunde überwiegend aus dem Norden der USA kamen, war es für die Hälfte der Hunde der erste Sicht- und Nasenkontakt mit einem Hasen.

Bedingt durch die sehr schwierigen Bedingungen und die fehlende Übung wussten die Hunde nicht, was von ihnen verlangt wurde. Sie kamen nicht weiter, klebten an der Sasse und somit fehlte auch der Laut. Jeder Hund hatte ausreichend Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Bei dem starken Wind war Eile geboten, die Spur wurde schnell verweht. Dass es aber trotzdem möglich war, wurde von einigen eingearbeiteten Hunden durch sehr gute und gute Leistungen gezeigt und bestätigt. Nach Besprechung der Arbeiten wurde von den Führern verstanden, dass im Moment von ihrem Hund noch zu viel verlangt wurde, somit war auch keiner enttäuscht. Den Führen wurden viele Tipps und Hinweise gegeben, die sie anerkennend entgegennahmen und beim nächsten Mal berücksichtigen werden. Außerdem wurde empfohlen, wenn zu Hause keine Einarbeitungsmöglichkeit besteht, einige Tage vorher anzureisen und die Hunde unter gleichen Bedingungen im Prüfungsrevier einzuarbeiten.
Die restlichen Fächer wie Stöbern, Wasserfreude, Schussfestigkeit und Gehorsam verliefen problemlos ohne nennenswerte Ereignisse.

Ergebnis JP- Jugendprüfung
9 Hunde gemeldet, erschienen und durchgeprüft.
Prüfungsergebnis: 1x 1. Preis, 2x 2. Preis, 1x 3. Preis und 5x ohne Preis.
Formwert: 3x „Vorzüglich“, 5x „Sehr gut“, 1x „Gut“

Da bisher noch keine DW-Prüfung in den USA stattgefunden hat, sind auch viele ältere ungeprüfte Hunde da, für die eine EP Eignungsprüfung ohne lebende Ente vorgesehen war. Da trotz Bemühen unsererseits und Befragen des für Kansas zuständigen Oberberufsjägers im Umkreis von 100 Meilen kein geeignetes Stöbergelände, Schweißgelände und Wasser, welches für die EP ausreichend wäre, zur Verfügung stand und die EP-Führer für uns unvorstellbar große Anreisen (Texas, Ontario, Quebec 1870 Meilen, 3000km) hatten, wurde von mir entschieden, diese Hunde auch auf JP, aber außer Bewerb zu prüfen. Somit hatte jeder Hund die Möglichkeit, die für die Zucht notwendigen Noten in der Hasenspur und im Stöbern zu erreichen.

Ergebniss JP Jugendprüfung (außer Bewerb)
6 Hunde gemeldet, 6 Hunde erschienen und 5 Hunde durchgeprüft.
Prüfungsergebnis: alle Hunde liefen außer Bewerb, von den Noten wären folgende Preise möglich gewesen: 1x 2. Preis, 2x 3. Preis und 3x ohne Preis.
Formwert: 6x „Sehr gut“

Alle vorgestellten Hunde waren in guter körperlicher Verfassung und gesund. Einige der Hunde waren frisch geschoren, beim Schafe scheren war auch gleich der Hund geschoren worden. Bei 4 Hunden wurde ein Zangengebiss festgestellt.

Bei einer abschließenden Besprechung mit dem Vorstand DWNA wurden alle bei der Prüfung bekannt gewordenen Probleme wie Einarbeiten der Hunde, Übungsmöglichkeiten,Prüfungsrevier und Prüfungsbedingungen usw. besprochen. Die Vorstandschaft wurde im Prüfungswesen geschult. Der Vorstand wird seine Mitglieder über das Internet informieren und Schulungen anbieten. Alle in Englisch geforderten Formulare mit Durchschlägen waren vorhanden, wurden eingesetzt und für gut befunden.

Aufgrund der Erkenntnisse durch diese Prüfung und die in den USA herrschenden klimatischen, biologischen und geografischen Verhältnisse, ist es erforderlich die Prüfungsordnung für DWNA in zwei bis drei Punkten anzupassen.
Beispielsweise soll bei der EP das Fach Schweiß entfallen, da in vielen Staaten die Nachsuche mit Hund verboten ist und es in der Nähe der Hasenreviere keinen Wald gibt.

Oder bei der GP soll das Wahlfach Fuchs auch mit Waschbär (gleiches Gewicht) möglich sein, da es nur wenige Füchse gibt und diese in manchen Staaten ganzjährig geschont sind.

Für die Nasenfächer und das Feststellen des Spurlautes ist beim DW die Hasenspur erforderlich. In den USA gibt es aber nur in einigen Staaten an sehr wenigen Orten Hasen die bejagt werden dürfen. Das größte Problem ist meines Erachtens, die oft tausende Meilen weite Anfahrt für Teilnehmer, Richter und Organisatoren bei Prüfung und Übung.

Der 1. Vorsitzende, Herr Dave Pepe macht den Versuch „Spurlaut mit Waschbär“, wie in Kansas besprochen, und informiert uns über das Ergebnis. Davon abhängig wird der VDW dann weitere Entscheidungen treffen.

Die Reise war zwar anstrengend, aber mir persönlich hat alles sehr gut gefallen. Man sollte bedenken, dass es für alle unsere amerikanischen Freunde Neuland und Pionierarbeit war.

Für mich ist bewundernswert, mit welchem Einsatz und Engagement alle an diese Sache heran gehen. Wozu wir in Deutschland 108 Jahre gebraucht haben, kann in den USA nicht schon nach 4 bis 5 Jahren gleich gut funktionieren.


Gewöhnungsbedürftig für mich sind die weiten, langen Fahrten (1100 Meilen einfach), oder, dass man im Feld plötzlich neben einer Klapperschlange steht. Aber ich glaube auch daran kann man sich gewöhnen.

Abschließend möchte ich mich im Namen von DWNA und VDW bedanken, für die hervorragende Hilfe und Unterstützung bei meinen beiden amerikanischen JGHV-Mitrichtern, den Herren Leonard Baker (Präsident JGHV-USA) und Chuck Davis, sowie beim JGHV- Vizepräsident, Herrn Wolf Schmidt-Körby. Von den genannten Herren wurde dem DWNA, dem VDW und mir jegliche weitere Unterstützung, auch vor Ort, zugesichert. Ich bedanke mich aber auch für die große und herzliche Gastfreundschaft, die mir von den amerikanischen Freunden entgegengebracht wurde.
An den DWNA kann ich nur appellieren:

Macht weiter so, Ihr seid auf dem richtigen Weg!“


Jürgen Briechle


Nennliste der 1. JP in Nordamerika

Bildliche Impressionen der 1. JP in Nordamerika